Willkommen bei der Gedankenmühle, dem Computerprogramm, das
Ihnen dabei behilflich sein wird, etwas gegen ihre Zwangsgedanken zu tun. Bei
Zwangsgedanken handelt es sich um eine Zwangsstörung, bei der der Betreffende
sich gegenüber Gedanken, inneren Bildern oder Befürchtungen, Handlungsimpulse
nicht beherrschen zu können, hilflos ausgeliefert erlebt. Je mehr er versucht,
die für ihn nicht akzeptablen Gedanken aus seinem Bewusstsein zu verbannen,
umso aufdringlicher werden sie. Häufig sieht er sich dann genötigt, zum Teil
recht bizarre Neutralisierungsrituale zu entwickeln und einzuhalten, um auf
diese Weise sich zumindest eine gewisse Beruhigung zu verschaffen. Auf Dauer
bewirken diese jedoch keine wirkliche Linderung der Symptomatik, sondern lassen
sie noch ausgeprägter werden. Hierdurch erlebt sich der Betreffende als noch
machtloser, was das Auftreten von Zwangsgedanken wiederum begünstigt.
Ein Weg aus diesem Teufelskreis heraus stellt hier, wie auch
bei anderen Formen von Zwangsstörungen, die konsequente Konfrontation mit dem
bisher Vermiedenen dar. Bei Zwangsgedanken sind Expositionsübungen im Vergleich
zu Handlungszwängen jedoch schwieriger zu realisieren. Der in der
Gedankenmühle beschrittene therapeutische Weg entspricht der vielfach
bewährten, in ihrer praktischen Handhabung jedoch recht umständlichen
Endlos-Tonbandkassette. Auf diese spricht der Betroffene die ihn quälenden
Zwangsgedanken auf. Anschließend hört er sich diese Kassette solange an, bis
die von den Zwangsgedanken hervorgerufenen negativen Gefühle habituieren, d. h.
deutlich an Intensität verlieren. Durch die so gemachte Erfahrung, dass nicht
Weglaufen, sondern Draufzugehen Abhilfe gegen Zwangsgedanken schafft, gewinnt
der Betreffende eine neue Form von Kontrolle über das bisher für ihn
Unkontrollierbare. Er weiß, dass in Momenten, in denen Zwangsgedanken ihn
quälen, ihm mit dem Aufsprechen und wiederholten Anhören dieser Gedanken ein
Mittel zur Verfügung steht, diese nachhaltig zu vertreiben.
Gegenüber einer Exposition mit Hilfe eines
Kassettenrecorders, lässt sich bei der Gedankenmühle zusätzlich zur
gesprochenen Form gleichzeitig noch der Zwangsgedanke als geschriebener Text
darbieten, was eine Intensivierung des Konfrontationserlebens bewirkt.
Die praktische Handhabung der Gedankenmühle geschieht auf
folgende Weise. Nach Anwählen das Menüunterpunktes "Gedanken
aufsprechen" im Menü "Werkzeuge" ist es möglich, Zwangsgedanken
erst in geschriebener und dann in gesprochener Form einzugeben. Anschließend
kann durch die Wahl der Pausenzeit die zeitliche Dichte festgelegt werden, mit
der die Darbietung der Zwangsgedanken im Abspielmodus geschehen soll. Hierbei
kann ein fester zeitlicher Abstand oder, wenn gewünscht, auch eine Pause
vereinbart werden, die der zeitlichen Länge des aufgesprochenen Satzes
entspricht. Dies ermöglicht es, den Zwangsgedanken innerlich, oder besser laut
nachzusprechen, was das Expositionserleben und damit die Abschwächung der
empfundenen Bedrohlichkeit des Gedankens beschleunigt. Als weitere Option ist es
auch möglich, die Darbietung der einzelnen Sätze manuell, d. h. durch
Betätigung der Leertaste stattfinden zulassen.
Nachdem die Zwangsgedanken eingegeben worden sind, werden sie
durch ein Häkchen in dem Kästchen am Anfang aktiviert. Dann wird dieses Menü:
"Gedanken aufsprechen" durch Betätigen der Taste "Fertig"
verlassen und in das Menü "Start" gewechselt, um dort die Funktion
"Abspielen" anzuklicken. Dies lässt das Programm mit der Darbietung
der Zwangsgedanken in der durch die Reihenfolge der Eingabe festgelegten Abfolge
anfangen. Nach dem Abspielen aller Zwangsgedanken beginnt das Programm, die
Liste der Gedanken solange wieder von vorne darzubieten, bis im Menü
"Start" der Befehl "Stop" angeklickt wird. Es ist therapeutisch
zweckmäßig, mindestens zehn Wiederholungen der Zwangsgedanken durchlaufen zu
lassen und sich dabei bewusst den durch die Zwangsgedanken ausgelösten
negativen Gefühlen und Vorstellungen auszusetzen. Dabei ist es wichtig, der
Vermeidung dienenden gedanklichen Ablenkungen konsequent entgegenzuwirken.
Wählt man nach Beendigung der Übung wieder im Menü "Werkzeuge" das
Untermenü "Gedanken aufsprechen", kann man diesem die Anzahl der
durchlaufenen Durchgänge entnehmen.
Durch Setzen oder Löschen des Aktivierungshäkchens können
einzelne Zwangsgedanken in die Darbietung einbezogen, bzw. von ihr
ausgeschlossen werden. Es ist also nicht nötig, Zwangsgedanken, bei denen durch
wiederholtes "Üben" eine Habituation eingetreten ist, zu löschen.
Stattdessen kann es ausgesprochen motivierend sein, sich die Liste der bereits
erfolgreich bearbeiteten Gedanken vor Augen führen, um sich so die
Behandlungsfortschritte bewusst zu machen.
Nun noch einige Anregungen zu weiteren Einsatzmöglichkeiten
der Gedankenmühle: Es ist möglich, beim Aufsprechen von Gedanken zusätzlich
zu den auf dem Bildschirm geschrieben stehenden Zwangsgedanken noch weiteren
Text aufzusprechen. Dieser Text kann entweder eine ausführliche Formulierung
oder Beschreibung des Zwangsgedankens darstellen, kann aber auch eine
katastrophisierende, ironisierend übertreibende Ausschmückung des
ursprünglichen Zwangsgedankens sein. Beides ist dazu geeignet, den Prozess der
inneren Distanzierung vom Zwangsgedanken und damit dessen Habituation, d.h.
Abklingen der ihn begleitenden negativen Gefühle zu fördern.
Die Gedankenmühle kann auch als "Affirmator"
dienen, d.h. als ein therapeutisches Hilfsmittel, das dazu beiträgt, durch
wiederholtes Darbieten von therapeutischen Thesen diese vom Zwangskranken
verinnerlichen zu lassen. Dazu werden in das Programm nicht Zwangsgedanken,
sondern während der Therapie gewonnene Einsichten über den Zwang eingegeben
und aufgesprochen. Dies sollte konkret so geschehen, dass der vom Zwang
Betroffene zusammen mit seinem Therapeuten Thesen gegen den Zwang herausarbeitet
und anschließend mit seinen Worten in die Gedankenmühle eingibt. In der
Folgezeit sollte er durch möglichst häufiges Anhören dieser Thesen sich vor
einem Rückfall in die Denkweise des Zwangs schützen. Dies kann eine wichtige
Maßnahme zur Stabilisierung des Behandlungserfolgs sein.
Beim Einsatz der Gedankenmühle als "Affirmator"
bietet es sich an, im Menü "Datei", Untermenü
"Einstellungen", bei der Option "Sound" Hintergrundsmusik zu
aktivieren. Es stehen zwei Musikstücke zur Auswahl, die sich als Hintergrund
für einprägende Texte bewährt haben.
Eine weitere Möglichkeit, das Programm bei der Therapie von
Zwangsstörungen einzusetzen, besteht darin, dass sich der unter
Kontrollzwängen Leidende während einer Tätigkeit von ihm zuvor aufgesprochene
Handlungsinstruktionen von der Gedankenmühle geben lässt, um sich so zum
Beispiel die einzelnen Schritte eines "normalen" Kontrollganges durch
die Wohnung vom Computer vorgeben zu lassen. Dabei sollten Schritt für Schritt
die für die einzelnen Zimmer benötigten Zeiten immer kürzer gewählt werden,
bis eine akzeptable Form des Kontrollierens auf diesem Wege erreicht wird.
Das Ausgeführte macht deutlich, dass die Gedankenmühle ein
universelles Instrument in der Therapie von Zwangsstörungen darstellen kann,
das durch die Kreativität des am Zwang Erkrankten und dessen Therapeuten auf
vielfache Weise mit Inhalt gefüllt werden kann.
Viel Erfolg bei Ihren Übungen gegen den Zwang.