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Erleuchtung garantiert, das könnte auch der
Werbeslogan irgendeines windigen, selbst ernannten Gurus sein, der
die spirituelle Desorientierung unserer Zeit in ein florierendes
Geschäft umgemünzt hat. Wenn man nun, so wie Doris Dörrie, einem
Film diesen Titel gibt, dann klingt er beinahe zwangsläufig
ironisch und weckt die Hoffnung auf eine satirische
Auseinandersetzung mit den esoterischen Strömungen in unserer
Gesellschaft.
Uwe (Uwe Ochsenknecht) und Gustav (Gustav-Peter Wöhler) sind das
klassische ungleiche Brüderpaar. Uwe ist unsensibel und eigentlich
nur auf sich fixiert. Das reicht seiner Frau irgendwann, so dass sie
ihre Sachen packt und mit den Kindern verschwindet. In seiner
Verzweiflung wendet sich Uwe an Gustav, einen neurotischen
Feng-Shui-Experten, der am nächsten Tag nach Tokio fliegen will, um
in einem Zen-Kloster den Buddhismus ganz direkt zu erfahren. Aus
einer Laune heraus schließt sich Uwe ihm an.
In diesen ersten Szenen in Deutschland hat Erleuchtung garantiert
tatsächlich eine viel versprechende ironische Distanz zu seinem
Thema und seinen Figuren. Uwe Ochsenknecht kann als Mann, der sich
unvermittelt in einer existenziellen Krise wiederfindet, sein ganzes
komisches Talent ausspielen, und Gustav-Peter Wöhler lässt in
jedem Moment eine tiefsitzende Unsicherheit aufscheinen, die seiner
zur Schau gestellten spirituellen Kraft auf reizvolle Weise
widerspricht. Auch in seinem Leben stimmt etwas nicht, und das ganze
esoterische Getue gleicht einer mühsam aufrecht erhaltenen Fassade.
In Tokio verlieren beide durch Missgeschicke und Dummheit ihr Geld
und ihre Pässe und müssen sich schließlich als Obdachlose zum
Kloster durchschlagen, wo dann auch nicht alles so läuft, wie
Gustav es sich erträumt hat.
Auch in dieser weiteren Entwicklung liegt noch eine gewisse Komik,
aber zugleich wird immer deutlicher, dass Doris Dörrie aus tiefster
Überzeugung an die heilende Kraft esoterischen Denkens glaubt.
Ihren beiden Helden, diesen typischen Wohlstandsmenschen, ist die
Erleuchtung wirklich garantiert. Sie müssen allerdings alles
Materielle verlieren, um ihr spirituelles Zentrum zu entdecken. Und
das ist die große Lüge ihres Films. Aus der Sicherheit einer ganz
und gar ungefährdeten materiellen Existenz ist es leicht, Armut und
Verzicht als Heilmittel aller zivilisatorischen Leiden zu preisen.
--Sascha Westphal
Kurzbeschreibung
Gustav plant seit einem Jahr eine Reise in ein Zen-Kloster. Sein
Bruder Uwe ist gerade von Frau und Kindern verlassen worden und fährt
mit nach Japan. Bevor sie Erleuchtung finden können, verirren sie
sich im nächtlichen Tokio, um sich dann im Kloster mit
Schwierigkeiten in die Rituale einzufügen.
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